Editorial

Michel Rappaport
Direktor Yesh!-Filmtage

Herzlich willkommen zur 11. Ausgabe der Yesh!-Filmtage!

Wer Jüdisches veranstaltet, riskiert Widerstand – auch in den eigenen Reihen. Seit dem Terror vom 7. Oktober und dem Krieg in Gaza sind wir alle emotionalisiert und empfindlich geworden. Umso dringlicher fragen wir: Wie israel-kritisch oder pro-palästinensisch darf ein Yesh!-Film sein?

Ist es angebracht, einen amerikanischen Juden zu porträtieren, der sagt, die Kibbuzim seien auf den Ruinen arabischer Dörfer erbaut worden, wie in «Holding Liat»? Ziemt es sich, Benjamin Netanjahu zu zeigen, wie er Korruptionsvorwürfe abwehrt («The Bibi Files»)? Oder Palästinenser zu begleiten, die sich von Kämpfern zu Pazifisten wandeln, wie in «There Is Another Way»?

Nach unserer Pause 2025 sind wir kein bisschen leiser zurück und sagen: ja. Ja zu unbequemen Perspektiven, ja zum Widerspruch, ja zum offenen Gespräch. Wir zeigen weiterhin Filme, die auch innerhalb der jüdischen Gemeinschaft umstritten sind und im Yesh!-Team intensive Debatten auslösten. Denn wir sind überzeugt: Nicht Propaganda hilft durch komplexe Zeiten, sondern kritisches Denken, Toleranz und Offenheit für unterschiedliche Sichtweisen. Wir wollen nicht provozieren, sondern diskutieren. Unsere Filme sollen zum Denken anregen, nicht zu Parolen verleiten.

Gerne hätten wir auch «Happy Holidays» des arabisch-israelischen Regisseurs Scandar Copti und «Coexistence, My Ass!» der libanesisch-kanadischen Filmemacherin Amber Fares gezeigt. Beide Filme wurden uns jedoch nicht freigegeben – Boykotte, die wir respektieren müssen, auch wenn wir sie bedauern.

«Yesh! 2026» präsentiert 30 Filme und Gespräche mit Filmschaffenden und Fachleuten. Wir wollen einordnen, vertiefen, verstehen – und jüdisches Leben in seiner Vielfalt sichtbar machen: vielschichtig, streitbar, lebendig.

Ein besonderer Dank gilt unserer Hauptpartnerin, der Isaac Dreyfus-Bernheim Stiftung, sowie allen weiteren Partnerinnen und Partnern.

Wir wünschen Ihnen inspirierende Begegnungen und freuen uns, Sie zahlreich in den Kinos willkommen zu heissen.


Grussworte

  • «Yesh!» – geschafft!

    Nach einer Pause im letzten Jahr kehrt das Festival 2026 auf die Leinwand zurück. In einer Zeit, in der das jüdische Leben vielerorts unter Druck steht und der Antisemitismus besorgniserregend zunimmt, setzt das Yesh! auf die Kraft des Films: Die diesjährige Festivalausgabe macht das jüdische Leben in seiner ganzen Vielfalt sichtbar, hält Erinnerungen wach, schafft Begegnungen und wirkt Vorurteilen entgegen.

    Wo Austausch stattfindet, entstehen Verständnis und Nähe – notwendige Grundlagen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und den Erhalt einer lebendigen Demokratie. Das Yesh! leistet hierzu seit Jahren einen ganz wichtigen Beitrag. Sein vielstimmiges Filmprogramm öffnet Räume für Fragen, Gespräche und Perspektiven. Es lädt dazu ein, hinzusehen, zuzuhören und Unterschiede auszuhalten – ohne einfache Antworten, aber mit Offenheit und Respekt.

    Ich freue mich sehr, dass das Yesh! diesen Weg weitergeht und wieder Begegnungen schafft – im Kinosaal, im Gespräch und darüber hinaus. Möge das Festival 2026 einmal mehr Brücken bauen, Neugier wecken und zeigen, wie sehr uns Kultur verbindet.

    Ich wünsche dem Yesh! eine inspirierende Ausgabe und dem Publikum bereichernde Filmtage.

  • Wir leben in anspruchsvollen Zeiten. Die geopolitischen Verhältnisse sind unübersichtlich und unberechenbar. Bewaffnete Konflikte, territoriale Ansprüche, wirtschaftliche Drohkulissen: Zu den bereits bestehenden kommen ständig neue Herausforderungen hinzu. Lösungen oder nur schon vermittelnde Stimmen sind dagegen nur wenige in Sicht.

    Die weltpolitischen Verwerfungen betreffen die jüdische Bevölkerung in besonderem Ausmass. Da ist – auch in der Schweiz und in Zürich – der zunehmende Antisemitismus, da sind das Massaker vom 7. Oktober und seine weitreichenden Folgen, mit grossem Leid auf allen Seiten: All dies berührt auch das jüdische Leben in der Schweiz.

    Als Individuen fühlen sich viele Menschen den Kräften der Weltpolitik ausgeliefert. Ich stelle mir vor, dass Sie, geschätztes Yesh!-Publikum, diese Ohnmacht auch kennen.

    Doch sind wir wirklich ganz ohne Einfluss? Nein! Das Yesh!-Filmfestival ist der lebendige Gegenbeweis: Es zeigt, dass man handeln kann. Yesh! setzt sich für Offenheit, Toleranz, gegenseitiges Verständnis und den Dialog ein. Dieses Engagement ist unschätzbar wichtig, weil es ein Manifest gegen die Ohnmacht ist. Dialog braucht Mut. Mehr Dialog ist gleichzeitig das Wichtigste, was die Welt zurzeit braucht. Der Dialog verhindert nicht nur, dass die Waffen sprechen. Er zwingt uns auch, zuzuhören und uns infrage stellen zu lassen.

    Das Yesh!-Filmfestival zeigt: Kultur hat eine gestaltende und vermittelnde Kraft, welche mithelfen kann, die Welt ein bisschen besser zu machen. Das Yesh!-Team will diese Kraft nutzen. Das beeindruckt und beglückt mich. Ich wünsche dem Festival viel Erfolg!

Für die grosszügige Unterstützung danken
wir folgenden Institutionen und Privatpersonen:

Hauptpartner

Partner


Jetty, Aron und Simon Blum-Stiftung

Gretel und Walter
Picard-Weil Stiftung

Alfred und Ilse
Stammer-Mayer Stiftung

Madeleine und Albert Erlanger-Wyler-Stiftung

AKL, Augustin Keller-Loge

Dr. Peter und Susi Kurer

Buteas Stiftung

Else v. Sick Stiftung

Otto und Régine
Heim-Stiftung

Daniel Gablinger
Stiftung

Merzbacher
Kunststiftung

FONDATION
BERMA

Georges und Jenny
Bloch-Stiftung


Schulprogramm-Partner



Printpartner



Werbepartner


Alive Media AG

APG | SGA


Medienpartner



Gastropartner



Kinopartner


Neugass Kino AG, Frank Braun, Martin Aeschbach, Aline Schlunegger

Arthouse Commercio Movie AG, Franziska Thomas


Kooperationspartner



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